|
Kairouan - Stadt in Tunesien
Kairouan, die Hauptstadt der Aghlabiden, die in der Tieflandsteppe Zentraltunesiens liegt, trägt den Beinamen „Stadt der Sonne und des Sandes“. In den weiten Ebenen dieser Region, die ihren Namen der Dynastie der Aghlabiden verdankt, welche von 800 bis 909 hier herrschte, wurde Kairouan 671 als erste arabische Stadt unter dem muslimischen Feldherrn Okba Ibn Nafaa als Heerlager und Karawanenplatz strategisch günstig am Knotenpunkt wichtiger Karawanenwege angelegt – daher auch der Name Kairouran, zu deutsch Karawane.
Durch ihre Moscheen und ihre vielen Marabuts (Heiligen) gilt Kairouan bis in unsere Gegenwart als das religiöse und geistige Zentrum des östlichen Maghreb. Zudem ist sie eine der vier heiligen Pilgerstätten des Islam. Die Stadt in Tunesien ist vor allem als Zentrum der Teppichherstellung bekannt. Neben den in Großmanufakturen hergestellten Teppichen, wird dieses Produkt hauptsächlich von circa 500 Familienbetrieben in Heimarbeit gefertigt.
Zumeist sind es Frauen, die die aus eigener Produktion stammende Wolle bürsten, waschen und färben, um sie dann zu Teppichen zu verknüpfen oder auch zu verweben. Käuflich zu erwerben sind die Teppiche entweder im Office National de l´Artisanat in der Rue Ali Zouaoui oder in den Souks, den arabischen Händlervierteln. Wer sich für den Kauf eines hier gefertigten Teppichs entscheidet, sollte jedoch unbedingt die Preise vergleichen und auf das staatliche Siegel achten, denn nicht alles, was die Händler erzählen, entspricht auch der Wahrheit.
Viele in Kairouan erhaltene alte Kunstbauwerke stammen noch aus der islamischen Epoche. Eintrittskarten für alle Sehenswürdigkeiten der Stadt und sofern gewünscht auch einen persönlichen und vor allem vertrauenswürdigen Stadtführer hält das Touristenbüro bereit, dass sich etwas außerhalb der Medina (Altstadt) bei den Bassins des Aghlabides befindet, den kreisrunden Wasserspeichern der Aghlabiden, die im 9. Jahrhundert Kairouans Wasserversorgung garantierten. Um die Becken herum befinden sich, von hellen Ziegelsteinmauern geschützt, sehenswerte alte Heiligengräber.
Zu Beginn einer Stadtbesichtigung empfiehlt sich zunächst ein Besuch in den Souks, wo neben dargebotenem Kunsthandwerk, zu dem unter anderen Leder und Metallarbeiten zählen, herrliche geschnitzte Eingangstüren, schmiedeeisernen Balkongitter und kunstvollen Erkerfenstern zu sehen sind. Auch das für Tunesien typische und in Kairouan besonders schmackhafte aus Grießteig mit Dattelmus hergestellte Kleingebäck Makroudh, wird in den hiesigen Konditoreien der Souks angeboten.
Durch das Große Stadtmauertor Bab Esch Chouad ist der Kamelbrunnen Bir Barrouta, der sich ebenfalls innerhalb der Souks befindet, leicht zu finden. Eine schmale Stiege führt zum Turmbrunnen, wo ein Dromedar über eine Achse ein hölzernes Rad bewegt, an dem viele befestigte Tonkrüge Wasser aus einem Brunnen schöpfen. Täglich bis zum Sonnenuntergang geöffnet, wird der Besucher hier mit einem Becher frisch geschöpften Wassers begrüßt.
Glanzstück und gleichzeitig das Wahrzeichen Kairouans ist jedoch die Grande Moschee Sidi Okba innerhalb der Stadtmauern der Medina, die der Gründer der Stadt Ibn Nafaa 672 errichten ließ. Dem Aussehen nach eine Festung, wurde an diesem Bauwerk noch bis in das frühe 20. Jahrhundert gearbeitet. Dominiert wird der Komplex von einem wuchtigen Minarett des 11. Jahrhunderts, welches sich nach oben hin durch drei Stockwerke verjüngt.
600 römische und byzantinische Säulen, die aus den antiken Stätten Tunesien kommen, tragen das Gewölbe des großen Gebetssaals, dessen betreten den „Ungläubigen“ jedoch nicht gestattet ist. Die herrlichen blauschimmernden persischen Fayencen der Gebetsnische und die schönen Ornamente der Kanzel, die Blattwerk und Reben darstellen, sind leider nur auf Postkarten zu sehen.
Eindrucksvoll stellt das Islamische Museum der Stadt Kairouan im ehemaligen Palast des Staatspräsidenten Habib Bourguiba die islamische Kunstvergangenheit dar. Ausgestellt werden überwiegend Gegenstände aus den früher um die Stadt verteilten Palästen der Aghlabiden, aber auch Stadtansichten des 19. Jahrhunderts und vieles mehr. Besonders kostbar und schön sind die in goldener Schrift auf blaugefärbter Gazellenhaut gebannten Koranverse, die hier zu entdecken sind.
|
|