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Karthago
Verstreute Ruinen über türkisblauem Meer, dazu große historische Vergangenheit, die nun von eleganten Vororten und reizvollen Städtchen abgelöst werden – Karthago in Nordtunesien hat von seiner Anziehungskraft nichts verloren und entführt seine Besucher in das Reich der sagenhaften Dido und des nicht minder berühmten Feldherrn Hannibal.
Einst eine gewaltige Mittelmeermacht im 4. Jahrhundert v. Chr. ist Karthago nunmehr ein Vorort des etwa 10 km entfernt gelegenen Tunis geworden. Von der ehemaligen phönizischen Stadt, die im Lauf ihrer wechselvollen Geschichte den unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt war, sind nur noch Fragmente erhalten, bei deren Anblick dem Besucher das Bild des alten Karthago mit seinen Sehenswürdigkeiten mühelos wieder lebendig wird.
Karthago in Nordtunesien wurde 814 v. Chr. von phönizischen Siedlern gegründet und gelangte durch seinen lebhaften Handel rasch zu einer bedeutenden Vormachtstellung im Mittelmeerraum. In den beiden ersten punischen Kriegen wurde die Macht Karthagos trotz der Siege Hamilkars und Hannibals durch die Römer gebrochen, während der dritte und letzte punische Krieg den Untergang der mächtigen Stadt zur Folge hatte. Von den Römern wieder aufgebaut, wurde Karthago im 5. Jahrhundert n. Chr. von den Vandalen eingenommen, die ein Jahrhundert später von den Byzantinern vertrieben wurden. Nach der Eroberung durch die Araber gegen Ende des 7. Jahrhunderts verfiel Karthago allmählich.
Geblieben sind die Sehenswürdigkeiten dieses geschichtsträchtigen Ortes. Um sich einen ersten Überblick über Karthago zu verschaffen, bietet der Byrsa-Hügel einen optimalen Ausgangspunkt. Von hier oben genießt man die herrliche Aussicht auf die Stadt und befindet sich gleichzeitig im Zentrum des alten Karthago, wo früher der Tempel des Gottes Eschmoun stand. Der Hügel wurde von den Römern eingeebnet, um Platz für das von ihnen errichtete Forum und Kapitol zu schaffen.
Auf dem Byrsa-Hügel thront die 1890 von Kardinal Lavigerie erbaute Kathedrale St-Louis über der Stadt. Die Kirche wurde zu Ehren des französischen Königs Louis IX errichtet, der während der Belagerung Karthagos 1270 an der Pest starb. Bereits seit Mitte der sechziger Jahre wird die Kathedrale nicht mehr zu religiösen Zwecken genutzt; in Acropolium de Byrsa umbenannt, finden darin klassische Konzerte und Ausstellungen statt. Direkt daneben befindet sich das Nationalmuseum, das an die Fundamente alter punischer Villen stößt. Das Museum vermittelt einen überwältigenden Einblick in die Geschichte Karthagos, der mit vielen interessanten Funden aus den jeweiligen Epochen und Kulturen anschaulich gemacht wird.
Mit zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Tunesiens zählen die Antonius-Thermen, die sich zu ihrer Zeit die größten Thermen Afrikas nennen durften. Das weit in den Himmel ragende Gewölbe wurde von acht gewaltigen Steinsäulen getragen, und das frigidarium, der „Kaltwasserbereich“ des Bades, hatte die Größe einer Kathedrale. Von den imposanten Anlagen existieren zwar nur noch die Ruinen einiger Räume, doch genügt dies vollkommen, um sich die ehemalige Pracht der Thermen vor Augen zu führen.
Eine weitere berühmte Sehenswürdigkeit in Tunesien ist das Amphitheater, das zu den größten des Römischen Reichs zählte. Hier fanden viele prächtige und auch blutige Spiele statt; viele Christen starben in der Arena des Theaters einen grausamen Märtyrertod.
Die Römer brachten jedoch auch Handel und Kultur nach Nordtunesien, was die Überreste der römischen Villen anschaulich bezeugen. Sehenswert sind die gut erhaltenen Bodenmosaiken der aus dem 3. Jahrhundert stammenden Villa de la Volière.
Etwas außerhalb von Karthago laden die Reste der punischen Häfen sowie das Römisch-Frühchristliche Museum zu einem Abstecher ein. Die St-Cyprianus-Basilkia, in der sich angeblich das Grab des karthagischen Bischof St. Cyprianus befinden soll, ist eine der wenigen christlichen Zeitzeugen von Karthago.
Aktuelle Macht wird in dem nahe den Antonius-Thermen in einem weitläufigen Park gelegenen Präsidentenpalast demonstriert. Wer die Thermen auf einem Foto mit nach Hause nehmen möchte, sollte darauf achten, dem Palast möglichst den Rücken zuzuwenden, da es nicht erlaubt ist, öffentliche Gebäude zu fotografieren.
Obwohl Karthago in Nordtunesien seine Macht schon vor langen Zeiten verloren hat, übt diese sagenumwobene Stadt weiterhin ihren faszinierenden Reiz aus und zieht mit den beeindruckenden Zeugen ihrer glanzvollen Vergangenheit nach wie vor die Besucher in ihren Bann.
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