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Sidi Bou Said: Ein orientalischer Traum aus Weiß und Blau
„Die Farbe hat mich. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ Das schrieb der deutsche Maler Paul Klee in sein Tagebuch, als er Sidi Bou Said besuchte. Das strahlende Weiß der Häuserwände zusammen mit dem leuchtenden Blau ihrer Türen und Fenster hat Paul Klee schon im Jahr 1914 fasziniert, als ihn eine Studienreise zusammen mit August Macke in das tunesische Dorf führte. Viele wunderschöne Auqarelle und Zeichnungen erstellten die beiden, ganz in Beschlag genommen von den fremdartigen Eindrücken und den malerischen Lichtverhältnissen in Sidi Bou Said.
Macke malte unter anderem das „Café des Nattes“, ein typisch orientalisches Café, das auch heute noch nahezu unverändert existiert und bei Touristen und Einheimischen gleich beliebt ist. Sein Gemälde „Blick auf eine Moschee“, das das Café und den Turm der Moschee des Dorfes zeigt, hat sicherlich einen Teil zur Bekanntheit des Dorfes beigetragen.
Denn Sidi Bou Said ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele im Norden Tunesiens. Es liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Tunis, zwischen Carthage und La Marsa in der Bucht von Tunis. Sidi Bou Said wurde auf eine Anhöhe gebaut, auf das etwa 100 Meter hohe Cap Carthage. So bietet sich vom Dorf aus ein wunderschöner Ausblick auf den Yacht- und Fischerhafen und auf die ganze Bucht von Tunis.
Was das Dorf so besonders macht, sind die Häuser im andalusischen Stil: Weiße, kubische Bauten mit blauen Holveranden sowie blauen Fenster- und Türrahmen. Die Türen sind mit schwarzen Nieten oder Nägeln beschlagen – einerseits Verzierung, andererseits Indikator für den Wohlstand desjenigen, der das Haus errichten hat lassen. Diesen Baustil haben arabische Flüchtlinge aus Andalusien mitgebracht. Diese Mauren mussten im 16. Jahrhundert ihre spanische Heimat verlassen und haben das Dorf Sidi Bou Said errichtet.
Benannt ist das Dorf nach einem Heiligen, dem Sufi Abu Said, der im 13. Jahrhundert hier gelebt haben soll. Er hat sich für die Armen eingesetzt und Piratenangriffe abgewehrt. Abu Said hat seine letzte Ruhestätte in der Moschee von Sid Bou Said gefunden, sein Grab wird noch heute gepflegt und in Ehren gehalten.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts steht das ganze Dorf Sid Bou Said unter Denkmalschutz und alle Neubauten dürfen ausschließlich im selben andalusischen Stil errichtet werden. Das bewirkte unter anderem der französische Baron Rodolphe d’Erlanger, der von diesem tunesischen Dorf so bezaubert war, dass er sich nicht nur für dessen Erhaltung einsetzte, sondern ab sofort auch hier wohnte. Der Baron, der mittlerweile schon verstorben ist, hinterließ sein Wohnhaus, den pompösen Palast Ennejma Ezzalira, in dem heute ein Musikinstrumentemuseum untergebracht ist. Außerdem finden immer wieder Jazzsessions oder Maaloufabende mit traditioneller Musik statt. Diese Verwendung seines Hauses wäre ganz im Sinne seines ehemaligen Bewohners: Der Baron war ein Musikliebhaber und organisierte schon zu Lebzeiten immer wieder musikalische und literarische Treffen verschiedener Künstler.
Wer Sidi Bou Said am Wochenende besucht, muss sich auf einen großen Touristenansturm einstellen. Wer das ursprüngliche und ruhige Sidi Bou Said kennen lernen möchte, sollte eine Nacht bleiben und sich abends ins Café des Nattes begeben – nie ist die Gelegenheit günstiger, zusammen mit Einheimischen einen thé à la menthe zu trinken oder Wasserpfeife zu rauchen.
Viele Reiseveranstalter bieten organisierte Touren nach Sidi Bou Said an, das Dorf ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel in Tunesien. Meist führen diese Tagestouren gleichzeitig auch nach Tunis und Karthago. Aber Sidi Bou Said kann auch mit den öffentlichen Verkehrsmittel gut erreicht werden, es liegt an der der Vorortbahn TGM. Vom Hauptbahnhof in Tunis aus muss man nur zwei Stationen mit der Straßenbahn (Linie 1 oder 4) nach Marine fahren, von dort startet die TGM-Bahn, die nach 30 Minuten in Sidi Bou Said ankommt.
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