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Tunesien - von der Antike zur Moderne


Kurze Geschichte Tunesiens
Tunesiens Geschichte hängt eng mit der geografischen und strategischen Lage des Landes zusammen. Von den Phöniziern, über die Römer, die Vandalen, die Byzantiner, die Araber, die Ottomanen, die Husseiniten und nicht zu vergessen die Franzosen, die Tunesien erst im Jahre 1956 in die Unabhängigkeit entließen, alle waren sie schon da.

 



Die Phönizier bauten Karthago und machten das Land zu einem Handelszentrum, die Römer machten es zu einem Getreideland, bauten eine Keramikindustrie auf und etablierten die Techniken der Herstellung von Olivenöl. Im 7. Jahrhundert begann die arabisch-islamische Besiedlung. Das Land erhielt eine gemeinsame Sprache und vor allem den einheitlichen muslimischen Glauben. Das so genannte „Goldene Zeitalter“ Tunesiens war angebrochen, denn die Landwirtschaft wurde systematisch ausgebaut, das Handwerk gefördert, der Handel forciert und der Schiffsbau wurde zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Als im Jahre 670 Kairouan gegründet wurde, begann in dieser Stadt das Zeitalter der großen Vordenker. Beispielsweise lebten und arbeiteten hier Ibn Khaldoun, der Begründer der Soziologie, der berühmte Mediziner Ibn Al Jazzar oder Tahar Haddad, ein Streiter für die Frauenrechte.

 

 

Wüste in Tunesien

 

 

Mitte des 19. Jahrhunderts verleibte sich Frankreich Tunesien als Kolonie ein, auch wenn es in der offiziellen Sprache als "Interessengebiet" bezeichnet wurde. Die französische Besatzung veränderte das Land erheblich: Es wurde zwar eine moderne Infrastruktur geschaffen, aber man sorgte dafür, dass zahlreiche Europäer die Macht im Lande übernahmen – vor allem wirtschaftlich. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die Einfuhr französischer Massenwaren sorgten für das Ende des bisher so bedeutenden Handwerks in Tunesien, das mit so viel Tradition versehen war. Wegen der dadurch entstandenen sozialen Probleme gab es 1911 den ersten Aufstand gegen die Franzosen, und es entwickelte sich ein Nationalismus, der sich vor allem gegen die Franzosen wendete. Doch jeden Protest und auch jeden Streik schlugen die Franzosen blutig nieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Tunesien zu einem einzigen Schlachtfeld. Hier kämpfte das deutsch-italienische Afrikacorps gegen die Alliierten. Zehntausende von Tunesiern wurden dabei getötet und das Land wirtschaftlich ruiniert. Noch 1952 kämpften die Tunesier mit aller Gewalt, mit Sabotage und Streiks gegen die französischen Besatzern, die dabei ein regelrechtes Gemetzel unter der Bevölkerung anrichteten. Als Folge des Algerienkrieges musste Frankreich seine Ambitionen in Tunesien beenden, und das Land erhielt am 20. März 1956 die Unabhängigkeit.

Das Land
Tunesien hat heute eine Gesamtfläche von etwas über 163.600 Quadratkilometern, von Nord nach Süd sind es etwa 900 Kilometer, vom „Cap Blanc“ zur Grenzstation „Bordj el Khadra“, von Ost nach West, von der Insel Djerba nach Nefta, etwa 400 Kilometer. Hier leben heute etwa 10,5 Millionen Menschen, überwiegend arabische Berber. In der Hauptstadt Tunis schätzt man die Einwohnerzahl etwa auf 1,5 Millionen. Die Araber selbst machen nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Ohne große ethnische Probleme leben Juden, Franzosen, Griechen und Italiener im Lande. Die offizielle Amtssprache ist Arabisch, unter der Bevölkerung wird jedoch überwiegend tunesisch gesprochen, die Berber haben eine eigene Sprache. Französisch ist die Sprache der Wirtschaft und wird an den Schulen als Zweitsprache gelehrt. Etwa 98 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime.

Geographie
Tunesien, nur 140 Kilometer von Sizilien entfernt, ist das nördlichste Land Afrikas. Die gesamte Mittelmeerküste Tunesiens umfasst eine Länge von etwa 1300 Kilometern. Das Land grenzt im Westen an Algerien, im Südosten an Libyen. Die höchste Erhebung Tunesiens ist der „Jebel ech Chambi“ mit über 1500 Metern.

Tunesien ist ein sehr gebirgiges Land. Im Nordwesten dominiert ein Teil des „Tell-Atlas-Gebirges“, an Nordküste das „Kroumiri-Gebirge“ mit Höhen bis zu 800 Metern, das „Mogod-Bergland“, bis zu 400 Meter hoch, schließt sich daran an. Auf der dem Meer abgewandten Seiten liegt das Talbecken des Flusses „Medjerda“, der ganzjährig Wasser führt und an dessen unterem Ende das bedeutendste landwirtschaftliche Gebiet Tunesiens zu finden ist.

Zwischen Hammamet und Sfax liegt der Sahel, ein Küstenstreifen, mit zum Teil sehr ergiebigen Regenfällen, der deshalb sehr fruchtbar ist und ein Zentrum des Olivenanbaus ist. Südlich der Dorsale beginnt die Steppe mit dem „Chott el Djerid“, einem Salzsee, und noch weiter südlich beginnt die Sahara. Im Westen, bis zur libyschen Grenze reicht die „Djeffara“-Ebene mit wunderbaren sandigen Flachküsten, Lagunen und mehreren vorgelagerten Inseln.

 

 

Kamel in Tunesien

 

 

Klima und Reisezeiten
In Tunesien nehmen die Niederschläge von Nord nach Süd ab. Der Norden mit feuchten Wintern und trockenen Sommern, das extrem wechselhafte Klima der Steppenregion in Zentraltunesien, mit extrem heißen Sommern, sehr kalten Wintern, aber wenig Regen, die Mittelmeerküste mit einem ausgeglichenen Klima und das Wüstenklima südlich der „Schotts“ – sie alle bilden die Klimazonen Tunesiens. Die erheblichsten Temperatur-Unterschiede gibt es in der Sahara mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius im Sommer und Bodenfrost im Winter. Bläst der Schirokko aus der Sahara, dann kann die Hitze unerträglich werden. Die besten Reisezeiten sind für den Norden Tunesiens sind Mai bis Ende Oktober, für die übrigen Gebiete Oktober bis April.

Flora und Fauna
Tunesiens Mittelmeerküste verfügt über eine typisch mediterrane Vegetation. Sehr fruchtbar sind die nördlichen Regionen Tunesiens. Hier befinden sich die Weinanbaugebiete, hier wachsen Korkeichen von aller bester Qualität, man sieht auch Kiefern und die charakteristischen Wacholderbäume. Auf den Südhängen der Berge wächst immergrüne Macchie, in der sich vor allem Ziegen und Schafe wohl fühlen. Weiter südlich herrscht die typische Steppenvegetation vor, vor allem Wildgräser und verschiedene Straucharten. Dattelpalmen werden vor allem in Oasen angebaut.

 


Nicht einmal ein Prozent der Landesfläche steht unter Naturschutz. Von größter Bedeutung für Zugvögel ist aber der „Ichkeul Nationalpark“ im Norden Tunesiens. Ein See und ein Feuchtgebiet von unschätzbarem Wert, ist hier doch der Lebensraum für Hunderttausende von Zugvögeln. Bereits im Jahre 1980 wurde der Nationalpark von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Die Wälder in Tunesien sind stark durch die verschiedensten Tierarten bevölkert. Hier leben in freier Wildbahn Luchse, Wildschweine und vor allem zahlreiche Schlangenarten, darunter auch Giftschlangen wie die Kobra oder die Hornviper. In den trockeneren Regionen leben Gazellen, Schakale, Hyänen und Wildziegen. Die wenigen Wildesel unterliegen einem Jagdverbot. In den Wüstengebieten leben die typischen Tiere: die Wüstenspringmaus und der Fennek sowie Skorpione und Schlangen. Darüber hinaus gibt es eine artenreiche Vogel- und Insektenpopulation. Bartgeier, Fischadler, Wanderfalken und Waldohreulen sind sesshafte Vögel in Tunesiens Naturlandschaften.

Wirtschaft
Von großer Bedeutung sind Landwirtschaft und Bergbau. Über 25 Prozent der berufstätigen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft oder in der Fischerei.
Von großer Bedeutung ist nach wie vor die Viehzucht – überwiegend Ziegen, Schafe und Kamele. An Bodenschätzen sind in geringe Vorkommen an Erdöl, Phosphaten, Zink, Blei, Eisenerz, Erdgas und Salz vorhanden. Davon werden hauptsächlich Erdöl und Phosphate exportiert, vor allem jedoch Nahrungsmittel, Elektrogeräte und Maschinen.

Der wichtigste Wirtschaftszweig ist jedoch der Tourismus geworden. Weit über vier Millionen Urlauber kommen Jahr für Jahr in das Land bedeutender historischer Stätten und wunderbarer Sandstrände. Diese Deviseneinnahmen sind für das Land und die Wirtschaft unverzichtbar. Deshalb wird die touristische Infrastruktur immer weiter ausgebaut und neue Feriengebiete erschlossen. Die beliebtesten Urlaubsziele sind Hammamet, Nabeul, Sousse, Port El-Kantaoui, Monastir sowie die Insel Djerba.



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